Venus in ihrem größten Glanz

Written by on Dezember 6th, 2013 // Filed under Allgemein, Astronomie, Sternenhimmel, Venus

Venus-Mond

 Foto: Christian König

Vielen ist bestimmt das sehr helle Objekt am Westhimmel aufgefallen, das nach Sonnenuntergang jetzt so schön strahlt (nachdem die Sonne untergegangen ist, schaut einfach in die gleiche Richtung wie der Sonnenuntergang). Es ist die „Abendstern“-Venus. Sie ist immer das dritthellste Objekt am Himmel, nach der Sonne und dem Mond. Venus kann so hell sein, dass sie in einer mondlosen Nacht sogar Schatten werfen kann. Im Moment ist Venus besonders hell – heute erreicht sie ihren maximalen Glanz. Durch ihre südliche Deklination bleibt die Sichtbarkeitsphase aber relativ kurz.

Venus ist seit Ende März 2013 am Nachthimmel zu sehen, aber die Zeit ihrer größten Strahlkraft bedeutet auch immer, dass ihre „Regierungszeit“ am Abendhimmel bald zu Ende ist. Warum? Weil die Zeit ihres maximalen Glanzes am Abendhimmel immer dann stattfindet, bevor sie sich (mehr oder weniger) zwischen uns (Erde) und die Sonne schiebt. Im kommenden Jahr wird die Venus vom 11. Januar bis zum 25. Oktober als „Morgenstern“ erscheinen. Sie wird ihre stärkste Strahlkraft dann für mehrere Tage Mitte Februar haben.

Venus scheinbare Helligkeit variiert von -3,9 bis zu -4,9 mag. Eine negative Zahl bedeutet ein außergewöhnlich helles Himmelsobjekt. Unsere Sonne z.B. hat eine scheinbare Helligkeit von -26 mag!

Der Fixsterne Beteigeuze im Sternbild Orion strahlt mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,45 mag. Selbst wenn Venus ihre geringste Helligkeit aufweist, strahlt sie fast 40 X heller als Beteigeuze. Wenn sie ihre größte Helligkeit aufweist sogar etwa 100 X heller! Sirius, der hellste Stern am Himmel, hat eine scheinbare Helligkeit von -1,44 mag. Wenn Venus ihre geringste Leuchtkraft hat, scheint sie immer noch fast 10 X heller als Sirius. Wenn sie ihre größte Strahlkraft hat, fast 25 X heller als Sirius!

„Die im vorderen Orient am meisten verehrte Gottheit ist Ischtar (phönizische Astarte), die auch als Tochter des Mondgottes gilt und sich im leuchtenden Venusstern offenbart. Die Identität als Morgen- und als Abendstern wurde frühzeitig erkannt und polar gedeutet. Als morgendliche Gestalt hatte sie mehr männlichen Charakter und war als Ischtar von Akkad sogar Kriegsgöttin, als abendliche Stellung hatte sie mehr weiblichen Charakter, als Ischtar von Uruk war sie die Göttin der sinnlichen Liebe und Hierodule der Götter.“ (knappich, wilhelm (1967): Geschichte der Astrologie. Frankfurt: Klostermann, S. 31)

Bei den Übersetzungen babylonischer Tontafeln von Herman HUNGER und Simo PAROLA wurde deutlich, dass Venus als Morgenstern als potenter, fähiger oder geneigter angesehen wurde, gefährliche Feinde zu stärken und „Wehklagen über das Land bringt“ (Hunger, Hermann (1992): Astrological Reports to Assyrian Kings. Helsinki: Helsinki University Press, 31), während Venus als Abendstern sanfter, liebevoller angesehen wurde und prinzipiell dazu in der Lage war, eine gefährliche Situation zu befrieden.

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