„Da glänzt in die schneeige Winternacht
Der Mond verklärend und kalt;
Es glitzert in funkelnder Silberpracht
Der Reif an den Bäumen im Wald.
O Welt, wie bist du so schön.“

Maurice Reinhold von Stern (1860 – 1938)

 

 

Am 21. Dezember um 17.28 MEZ ist Wintersonnenwende und zugleich der kürzeste Tag des Jahres. Die langen Dezember-Nächte bieten viel Zeit für Abend-Spaziergänge, bei denen man in aller Ruhe den gerade wunderbaren Sternenhimmel genießen kann. Gerade jetzt ist die Nacht voller hell strahlender Sternbilder: Stier, Zwillinge, Fuhrmann, Orion und Perseus (im Zenit) mit dem berühmt-berüchtigten Stern Algol.

 

Himmlische Weihnachtsgrüße: Die Geminiden und Ursiden kommen!

Vom 05.12. – 15.12. taucht der Sternschnuppenstrom der Geminiden auf. Er heißt so, weil er aus dem Sternbild Zwillinge zu kommen scheint, nahe bei den hellen Sternen Castor und Pollux. Als Verursacher gilt der Planetoid Phaeton. Das Sternschnuppen-Maximum ist in der Nacht vom 12.12. auf den 13.12. zu erwarten. Da Castor und Pollux Mitte Dezember der Sonne gegenüberstehen und der Höhepunkt zwischen 21.00 MEZ bis 6.00 MEZ erreicht wird, lassen sich die Geminiden im Gegensatz zu anderen Meteoren sehr gut in den Abendstunden beobachten. Während der ganzen Nacht ist mit gelblich-weißen Sternschnuppen zu rechnen. 2013 wurden ca. 140 Sternschnuppen pro Stunde registriert und die Zahl ist in den letzten Jahren kontinuierlich größer geworden. Dieses Jahr kann man wohl mit 120 Sternschnuppen pro Stunde rechnen.

Und noch einen zweiten, weniger spektakuläreren Sternschnuppenstrom erhalten wir im Dezember – quasi ein himmlischer Weihnachtsgruß! Er ist vom 16.12. bis zum 25.12. zu beobachten. Weil die Sternschnuppen aus der Gegend um den Kleinen Bären (nahe beim Fixstern Kochab) zu kommen scheinen, nennt man sie Ursiden (lat. „Ursus“, Bär). Da der Radiant (der Kometen 8P/Tuttle) zirkumpolar ist, können die Ursiden die ganze Nacht beobachtet werden. Das Maximum wird in diesem Jahr in der Nacht vom 21.12. auf den 22.12. (gegen Mitternacht) erwartet – ca. 10 Sternschnuppen pro Stunde.

 

 

Die sichtbaren Planeten

 

MerkurMerkur wird am 03.12. stationär und läuft dann rückläufig in die (untere) Konjunktion mit der Sonne, die am 13.12. exakt wird. Der Botschafter ist zum König zurückgekehrt, erstattet ihm Bericht und ein neuer Zyklus beginnt. Merkur zieht seine Rückläufigkeitsschleife im Gebiet Skorpion/Schlangenträger. Am 23.12. wird er wieder direktläufig. Vom 23.12. bis Neujahr hat man mit etwas Glück die Möglichkeit, Merkur morgens zu sehen: z.B. Heiligabend im Südosten gegen 7.00 MEZ.

 

VenusVenus ist im Dezember unsichtbar. Ende des Jahres geht sie fast gleichzeitig mit der Sonne auf – sie läuft in die obere Konjunktion mit der Sonne am 09.01.18. Das Meeting von Venus und Merkur (15.02.18) und das Treffen von Venus und Saturn (25.01.18) kann man leider auch nicht sehen.

 

 

MarsMars – bis zum 21.12. noch im Sternbild Jungfrau – ist morgens sichtbar. Er wird im Dezember ein wenig heller. Der (abnehmende) Mond besucht Mars am 13.12..

 

 

JupiterJupiter, direktläufig im Sternbild Waage, ist morgens sichtbar. Mars scheint hinter Jupiter herzulaufen. In diesem Jahr treffen sich beide Planeten aber nicht mehr. Das passiert erst am 07.01.18. Jupiter trifft am 21.12. auf den Fixstern Zubenelgenubi. Nach Bernadette Brady eine Zeit, in der humanitäre Fragen im Fokus stehen. Am 14.12. schiebt sich der Mond morgens zwischen Jupiter und Mars.

 

SaturnSaturn, direktläufig im Sternbild Schütze, befindet sich immer noch (unsichtbar) in der „anderen Welt“, denn zu Winterbeginn treffen sich Saturn und Sonne (Konjunktion). Saturn ist also tagsüber mit der Sonne über dem Horizont und wird vom Sonnenlicht überstrahlt. Das Treffen von Merkur und Saturn (zu Nikolaus) und von Venus und Saturn (1. Weihnachtsfeiertag) können wir deswegen leider auch nicht sehen. Am 21.12. erleben wir außerdem eine astronomische Besonderheit: am 21.12. hat Saturn den größten Abstand zur Erde in diesem Jahrhundert!

 

Der Fixsternhimmel

 

Norden

Tief im Nordwesten ist noch das Sternenkreuz des Schwans (mit dem hellen Stern Deneb) zu sehen – eine Erinnerung an den Sommerhimmel. Knapp über dem Nordhorizont flackert Wega (Sternbild Leier), die in unseren Breiten nahezu zirkumpolar ist und deswegen fast das ganze Jahr über in klaren Nächten am Sternenhimmel zu sehen ist.

Das Sternbild Kepheus ist ein Mitglied der königlichen Familie (Kepheus, Cassiopeia, Perseus, Andromeda), die in der Nähe des Nordpols liegt und in unseren Breiten 365 Tage im Jahr zu sehen ist (zirkumpolar). Cassiopeia ist ziemlich leicht zu finden: Fünf Sterne bilden ein auffälliges W. Wenn Cassiopeia über dem Pol steht, sieht man eher ein M. In Amerika spricht man deswegen auch vom „Himmels-M“. Die mittlere Spitze des W (bzw. M) deutet in etwa auf den Polarstern.

Kepheus mythische Ursprünge gingen verloren. Im 4. Jahrhundert v. Chr. schrieb Aratus (in Übereinstimmung mit seiner Zeit), dass er ein König vom Euphrat sei. Das Sternbild symbolisierte in vielen Kulturen einen König. Die Chinesen verorteten hier den „Inneren Thron der fünf Kaiser“. Die Christen des Mittelalters sahen hier König Salomon. Zwischen 21000 und 19000 v. Chr. beheimatete Kepheus den Himmelsnordpol und vermutlich erlangte er deswegen und zu dieser Zeit seine königliche Würde. Durch die Präzession, die Kreiselbewegung der Erdachse, wandert natürlich auch der Himmelsnordpol. Erst im Jahr 7500 wird Kepheus wieder die Ehre haben, den Nordpol zu markieren.

Im Zenit steht nun Perseus, der strahlende Held aus der Andromeda-Sage. Algol steht jetzt hoch über unseren Köpfen und ist leicht zu finden.

Das Sternbild Herkules, der „Kniende“, ist fast untergegangen.

 

 

Osten

Im Gegensatz zum unspektakulären Südhimmel (in der Stadt erscheint er aufgrund der Lichtverschmutzung fast sternenleer) strahlt und funkelt es am Osthimmel nur so. Alle bedeutenden Wintersternbilder sind bereits um 22.30 Uhr über dem Horizont zu sehen.

Bläulich-weiß funkelt – knapp über dem Horizont im Südosten – Sirius, der hellste Stern im Großen Hund – und der hellste Stern am Himmel überhaupt! Er ist fast 9 Lichtjahre entfernt. Der Kleine Hund besteht aus nur zwei gut sichtbaren Sternen. Prokyon („vor dem Hund“, weil er noch vor dem Großen Hund aufgeht) ist der hellste. Über den beiden Hunden kann man das Sternbild Zwillinge mit Castor (52 Lichtjahre entfernt und besteht aus sechs Sonnen) und Pollux (der sonnennächste, orangefarbene, normale rote Riesenstern) sehen. Die meisten Völker sahen hier zwei Menschen. Die Inder nannten das Bild „Mithuna“ und erkannten hier einen Jungen und ein Mädchen. Castor ist etwas lichtschwächer als Pollux.

Im Sternbild Stier liegen der rot-gelbe, auffällig glänzende Aldebaran und zwei bekannte Sternhaufen: die Hyaden und die Plejaden (das Siebengestirn). Schräg unterhalb des Stieres (im Südosten) erscheint das Wintersternbild schlechthin: Orion – mit dem rötlich strahlendem Schulterstern Beteigeuze, dem bläulich-weißen Kniestern Rigel und den (fast) in einer geraden Linie stehenden drei Gürtelsternen

Hoch im Osten, fast senkrecht über uns („im Zenit“), steht Auriga, der Fuhrmann oder Wagenlenker. Auriga gehört zu den 48 klassischen Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die schon von Ptolemäus beschrieben wurden. Es liegt mitten in der sternreichen Gegend der Milchstraße. Der Fuhrmann ist ab 44 Grad nördlicher Breite das ganze Jahr über sichtbar und wegen seines gelb strahlenden Hauptsterns Capella leicht zu erkennen. Capella (übersetzt „Zicklein“) gehört zu den sechs hellsten Sternen am Himmel und ist der nördlichste Stern, der heller als 1 mag ist. Der Stern steht an der Spitze eines Sternenfünfecks, das Auriga ausmacht. Meist sieht man jedoch ein Sechseck, weil man automatisch Elnath, das nördliche Stierhorn, mit dazu nimmt. Tatsächlich gehörte Elnath früher einmal zu Auriga. Aber nachdem die Internationale Astronomische Union (IAU) in den 20er Jahren die Sternbildgrenzen verbindlich festlegte (ähnlich, wie die Kolonialmächte früher die Grenzen in Afrika festlegten – mit dem Lineal und ohne Rücksicht auf kulturelle Unterschiede), gehört Elnath astronomisch jetzt zum Stier. Insgesamt waren drei Generalversammlungen zwischen 1922 und 1928 nötig, um die Sternbilder und deren Grenzen endgültig zu beschließen.

Unterschiedliche Kulturen erschufen unterschiedliche Bilder für das Sternbild Auriga: für die Babylonier war es der Krummstab (einem Bischofsstab ähnlich) des großen Hirten von Anu (Orion). In Assyrien war Capella auch unter dem Namen I-ku („Der Führer“) bekannt und Capella war ihr Schutzstern. 5200 v. Chr. wurden in Ägypten Tempel auf den heliakischen Auf- und Untergang von Capella ausgerichtet und später in Griechenland war er offenbar der Orientierungspunkt eines Tempels in Eleusis, der der Mondgöttin Diana geweiht war. Capella, die „Herrliche Krone“, wurde bei den Römern zur Cornucopiae, dem „Horn des Überflusses und des Reichtums“.

Zur Zeit der Griechen wurde aus dem Krummstab des großen Hirten ein Mann mit einer Peitsche und Zügeln; später ein Mann, der auf einem Wagen mit einer Ziege reitet, die er auf seiner linken Schulter trägt. Diese Ziege – so die alten Griechen – säugte Zeus und wurde aus Dankbarkeit von ihm an den Himmel versetzt. Die Griechen assoziierten Auriga u.a. auch mit Heniochos, dem Sohn von Gaia und Hephaistos (dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst). Heniochos wurde von Pallas Athene aufgezogen, die ihm auch beibrachte, Wildpferde einzufangen. Heniochos erfand ein vierspänniges Wagengespann und aus Dankbarkeit für diese Erfindung versetzte ihn Zeus an den Sternenhimmel. Einer anderen Version nach handelt es sich um Phaëton, den Sohn des Sonnengottes Helios, der mit dem Sonnenwagen abstürzte. Die Feuerspur dieses Unfalls ist noch heute in der Form der Milchstraße zu sehen. Die Römer identifizierten das Sternbild mit dem griechischen König Erichthonios, der den vierspännigen Wagen erfand.

Das Wintersechseck ist jetzt komplett: Verbindet man die Sterne Capella (Fuhrmann), Aldebaran (Stier), Rigel (Orion), Sirius (Großer Hund), Prokyon (Kleiner Hund) und Pollux (Zwillinge) miteinander, so erhält man das – etwas verbogene – Wintersechseck.

 

 

Süden

Hoch im Süden hat gerade der Widder den Meridian überquert. Hamal ist der Hauptstern. Ansonsten ist der Sternenhimmel hier recht düster: helle Sterne sucht man vergeblich.

Tief im Süden findet man jetzt einen Fluss am Sternenhimmel – das Sternbild Eridanus. Aber durch die Lichtverschmutzung in den Städten ist in unseren Breiten so gut wie gar nichts von ihm zu sehen. Nur an dunklen Orten und unter guten Sichtbedingungen erkennt man in Mitteleuropa den nördlichen Teil des ziemlich unscheinbaren Himmelsflusses (bei uns sind nur Sterne von dritter und vierter Größe sichtbar). Achernar, der helle und von der Erde recht weit entfernte Hauptstern von Eridanus (er gehört zu den Top 10 der hellsten Fixsterne), kann man in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht sehen (erst südlich von 30 Grad Nord ist er sichtbar). Der arabische Name „Achernar“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Stern am Flussende“. Eridanus beginnt am Fuß von Orion (beim hellen Stern Rigel). Er läuft westlich weiter (in Richtung Sternbild Cetus, dem Walfisch), windet sich dann in Richtung Süden in zwei großen Kurven und verschwindet dann bei uns unter dem Horizont. In südlicheren Breiten wandert er hinunter in Richtung Südpol und endet beim Sternbild Phoenix. Man glaubte, dass dies der Fluss war, in den der große Mühlstein des Himmels fiel, als die Erdachse sich durch die Präzession verschob. Im alten Ägypten galt Eridanus als Totenfluss, über den die Verstorbenen ins Jenseits gelangten.

 

 

Westen

Die Herbststernbilder Pegasus, Schwan, Leier, Füllen sowie die Fische und der Delfin befinden sich bereits im Südwesten. Tief im Nordwesten strahlt die bei uns fast zirkumpolare Wega. Auch Deneb, im Sternbild Schwan, ist noch im Westen zu finden. Altair (Sternbild Adler) ist untergegangen – und das Sommerdreieck (bestehend aus Altair, Deneb (Schwan), Wega (Lyra)) hat sich aufgelöst.

Im Südwesten erkennt man noch (relativ hochstehend) das Pegasus-Quadrat. Den Südwesten nehmen jetzt die Fische und das ausgedehnte Sternbild des Walfischs ein. Fomalhaut, der hellste Stern im Südlichen Fisch (in dessen Maul bei Formalhaut das Wasser aus der Urne des Wassermanns fließt), ist bereits unter dem Horizont verschwunden.

 

 

1. Dezember 2017
23.00 MEZ, 50 Grad Nord
  

erstellt mit „Starlight“ | Zyntara.com

 

15. Dezember 2017
22.00 MEZ, 50 Grad Nord

erstellt mit „Starlight“ | Zyntara.com

 

Erklärungen zur Sternkarte>