„Der Mensch ist gleich dem Aprilenwetter,
welches bald schön,
bald wild, bald warm,
bald kalt, bald trucken,
bald naß,
bald Sonnen,
bald Regen,
bald Hitz und bald Kält,
bald Riesel,
bald Schnee,
bald Blumen,
bald Klee.“

ABRAHAM A SANTA CLARA (1644-1709)

 
 

Die Wintersternbilder sind dabei, sich vom Firmament zu verabschieden: Orion geht gerade im Westen unter, der Stier verabschiedet sich Ende des Monats und auch Sirius ist unter den Horizont gesunken. Tief im Südwesten erinnert nur noch Prokyon (Sternbild Kleiner Hund) an vergangene Wintertage. Vorherrschaft haben jetzt die Frühlingssternbilder: Löwe und Jungfrau.

 
 
 

Die sichtbaren Planeten

 

MerkurMerkur trifft am 01.04. die Sonne zur (unteren) Konjunktion. Dabei überholt er die Erde auf der Innenbahn und erreicht seine geringste Entfernung von der Erde. Er wird am 14.04 stationär (er scheint stillzustehen), wird anschließend wieder direktläufig und hat am 29.04. seine größte (westliche) Elongation von der Sonne. Trotz des maximalen Abstands von der Sonne ist er in unseren Breiten im April leider nicht sichtbar.

 

VenusVenus, bis zum 18.04. noch im Sternbild Widder, wird im April als Abendstern länger sichtbar (ca. 45 Minuten länger kann man sie abends sehen). Sie steigt auch höher und ist am Himmel (natürlich nach dem Mond) der hellste Punkt. Ende April läuft Venus unterhalb der Plejaden (Sternbild Stier) her. Nach Bernadette Brady eine Zeit, in der man sich um Verzauberung bemühen sollte und diese zum Stoff seines Alltages machen.

 

MarsMars, im Sternbild Schütze, kann man im April ab ca. 2.00 MESZ sehen. Er wird auch deutlich heller. Am 01.04. läuft er über Facies her, den Kugelhaufen M 22. „Facies“ bedeutet im Lateinischen „Angesicht, Gestalt“ und tatsächlich liegt dieser astrologisch wichtige Kugelsternhaufen vor dem Gesicht des Sternbild Schütze. Astrologisch symbolisiert Facies den fixierenden Blick des Bogenschützen, der nichts mit dem tropischen Tierkreiszeichen Schütze zu tun hat. 900 – 700 v. Chr. – gab es eine kriegstechnische Revolution aus Assyrien: Bogenschützen, die allein auf einem Pferd saßen, Pfeile abschossen, extrem wendig waren und aus nächster Nähe töten konnten. Die Griechen verwendeten immer noch schwere Streitwagen. Als sie zum ersten Mal mit einem berittenen Bogenschützen konfrontiert waren, hatten sie wohl keine Vorstellung davon, was sie da sahen. Sie verschmolzen ihre Eindrücke vermutlich zu einem entsetzlichen Bild: dem Zentauren – Pferd und Mensch als Einheit. Und genau zu dieser Zeit tauchte der Zentaur zum ersten Mal in der Literatur auf. Als Chiron starb, wollte Zeus ihn direkt neben dem Sternbild Schütze am Himmel verewigen. Aber Zeus hatte zu viel Angst vor Sagittarius und versetzte Chiron deswegen an den Südhimmel (Sternbild Centaurus). Chiron hat also historisch nichts (!) mit Sagittarius zu tun. Das Sternbild Sagittarius ist ein perfekt getarnter Elite-Soldat mit High-Tech-Ausrüstung, kalt-kalkulierend, absolut fit und kraftstrotzend. Und zur Zeit finden wir hier Mars, Saturn und Pluto. Das sagt viel über die momentane Zeitqualität aus. Einen Tag nach seinem Meeting mit Facies trifft er am 02.04. auf Saturn und läuft unter ihm her. Der Krieger (Mars) unterwirft sich dem König (Saturn). Das letzte Treffen von Mars und Saturn war im August 2016. Am 10.04. passiert Mars den Stern Nunki (σ Sagittarii). Unbedingt am 08.04. um ca. 4.00 MESZ ansehen: Im Südosten, nahe am Horizont, kann man Mars, Saturn und den Mond zusammen sehen. Auch Jupiter ist dann noch zu sehen.

 

JupiterJupiter, rückläufig im Sternbild Waage, pirscht sich langsam an seine Opposition mit der Sonne heran, die aber erst im Mai exakt wird. Ende April ist er fast die ganze Nacht über im Südosten zu sehen und er wird auch heller. Wenn die Venus untergegangen ist, ist Jupiter das hellste Gestirn am Firmament.

 

SaturnSaturn, im Sternbild Schütze, kann man ab 2.00 MESZ sehen. Im April wird er auch deutlich heller. Am 02.04. läuft Mars unter Saturn her. Er wird langsamer, da er am 18.04. stationär und dann rückläufig wird.

 
 
 
 
 
 

Der Fixsternhimmel

 

Norden

Tief im Nordosten blinkt ein heller Stern im Dunst des Horizontes: Wega im Sternbild Leier, die den kommenden Sommer erahnen lässt. Sie ist einer der drei Sterne des Sommerdreiecks. Auch Deneb, der Hauptstern des Sternbildes Schwan (momentan im Nordosten zu finden), ist ein Stern des Sommerdreiecks. Der Schwan ist aber noch nicht komplett über den Horizont geklettert, das braucht noch ein paar Monate.

Zwischen Wega und dem hellen Arktur im Osten liegen im Nordosten die lichtschwachen Sternbilder Herkules und Nördliche Krone. Herkules (ein sehr ausgedehntes Sternbild) kann man nur schwer beobachten. Dagegen ist die Nördliche Krone (Corona Borealis) gut zu erkennen, da sie einen auffälligen Halbkreis bildet (der allerdings nur aus recht lichtschwachen Sternen besteht). Der Hauptstern ist Alphecca (oder auch Gemma, „Edelstein“). Der griechischen Mythologie nach war die Nördliche Krone die mit Edelsteinen besetzte Krone von Ariadne, der Tochter von König Minos von Kreta. Mit Ariadnes Hilfe bezwang Theseus den Minotaurus: Er erhielt von ihr den berühmten Faden, mit dem er sich aus dem Labyrinth befreien konnte. In der keltischen Mythologie war die Nördliche Krone (Caer Arianrohd) das Rad (oder auch das Schloss) von Arianrhod. Die Araber sahen hier die Schüssel eines Bettlers und die Chinesen eine Geldkette. Die Konstellation war bei den Persern auch als „Zerbrochene Platte“ bekannt, da der Sternenkreis unvollständig ist.

 

Osten

Der Himmelswagen (der natürlich nur ein Teil der Großen Bärin ist) steht hoch über unseren Köpfen, fast im Zenit. Folgt man dem Bogenschwung der Wagendeichsel (die eigentlich der Schwanz der Bärin ist), so trifft man im Osten auf einen hellen, orange leuchtenden Stern: Arktur (ein roter Riesenstern). Der Name bedeutet „Bärenhüter“ bzw. „Bärenwächter“, denn er folgt der Großen Bärin, scheint sie um den Polarstern zu treiben. Arktur liegt im Sternbild Bärenhüter (Bootes) und ist „nur“ 37 Lichtjahre entfernt. Bootes kann man aufgrund seiner einprägsamen Figur gut erkennen: er sieht wie ein Drachen aus, den Kinder im Herbst aufsteigen lassen. Der Name „Bootes“ bedeutet „Rinderhirte“, denn im alten Rom erkannte man in den sieben Sternen des sogenannten „Großen Wagen“ (der eigentlich zum viel größeren Sternbild Große Bärin gehört) sieben Dreschochsen („Septemtriones“) die um den Polarstern (der Göpel) liefen. Mit Sirius, Canopus, Toliman, Wega und Capella gehört Arktur zu den hellsten Fixsternen des Himmels. Auf der Nordhalbkugel ist er sogar der hellste Stern und der dritthellste am ganzen Sternhimmel. Arktur ist auf jedem Kontinent zu sehen (mit Ausnahme der inneren Antarktis). Zusammen mit Regulus (Sternbild Löwe) und Spica (Sternbild Jungfrau) bildet Arktur das Frühlingsdreieck.

Südlich der Deichsel des Großen Wagens kann man das kleine, unscheinbare Sternbild Jagdhunde (lat. Canes Venatici) sehen. Die Jagdhunde wurden erst 1687 vom Danziger Ratsherren und Amateurastronomen Johannes Hevelius in seinem Sternatlas „Prodromus Astronomiae“ eingeführt. Die Hunde werden vom Bootes an zwei Leinen festgehalten. Der Hauptstern heißt Cor Caroli (lat. „Herz des Karls“, gemeint ist König Charles I. von England).

 

Süden

Hoch im Süden ist momentan der Löwe gut zu sehen: Ein großes Trapez aus Sternen stellt den Körper dar, auf dem ein kleineres Trapez liegt, das den Kopf ausmacht. Die Grundlinie wird von Regulus und Denebola gebildet. Regulus ist der hellste Stern im Löwen. Der lateinische Name bedeutet „Kleiner König“. Regulus liegt ziemlich genau auf der Ekliptik, der scheinbaren Sonnenbahn, und ist 77 Lichtjahre von uns entfernt. Deswegen kann er manchmal vom Mond oder von Planeten bedeckt werden. Denebola ist viel dunkler als Regulus, obwohl er „nur“ 36 Lichtjahre von uns entfernt ist. Der Name kommt aus dem Arabischen unna heißt „Schwänzchen“. Über dem Löwen und unter den Tatzen der Großen Bärin liegt das dunkle Sternbild Kleiner Löwe (lat. Leo Minor).

Die Jungfrau, eines der größten Sternbilder (sie reicht von Bootes bis zum Löwen), erreicht im April ihre höchste Stellung. Diese Himmels-Göttin war wohl Teil der ursprünglichen sechs Tierkreiszeichen und wird von einigen Astronomen als Sternbild angesehen, dass vor über 15.000 Jahren gebildet wurde. Die Ägypter sahen in ihr ein Erscheinungsbild der Göttin mit den tausend Namen, Isis, der Gattin des toten Osiris und Mutter des Horus. Es wird gesagt, dass das Goldene Zeitalter endete, als dieses Zeichen nicht länger über die Sonnenwende herrschte. Für die Araber war sie „Al Adhra al Nathifah“, die unschuldige Jungfrau, und die Chinesen kannten sie als „frigide Jungfrau“, was nach einer ziemlich unfreundlichen, wortwörtlichen Übersetzung aus dem Chinesischen klingt. Viele Kulturen sahen hier ein Symbol für Fruchtbarkeit und Wachstum. Die Inder erkannten hier Kanya, die Mutter des Gottes Krishna. Für die Griechen war sie Demeter, die Göttin der Ernte, die die Jahreszeiten von der Erde abzog, als Hades/Pluto ihre Tochter entführte. Sie sahen in der Jungfrau auch Erigone, die so verzweifelt über die Gebräuche und Gepflogenheiten der Menschheit war, dass sie sich selbst erhängte. Die bläulich-weiße Spica (mit dem achtfachen Sonnendurchmesser) – der Hauptstern der Jungfrau – ist ein Doppelsternsystem: alle vier Tage umkreisen die beiden Partnersterne einander. Aufgrund der deshalb starken Gezeitenkräfte haben sich beide Sterne eiförmig verformt. Spica ist 260 (!) Lichtjahre von uns entfernt. Dass sie trotz dieser großen Entfernung noch so hell funkelt, liegt an ihrer ungeheuren Leuchtkraft. Spica strahlt so hell wie 2200 Sonnen zusammen. Auch der Fixstern Porrima (in der Taille der Jungfrau) ist ein Doppelsternsystem. Die Römer benannten ihn nach zwei antiken Göttinnen der Prophezeiung, Schwestern von Carmenta, der Göttin der Weissagung. Vindemiatrix, ein weiterer bekannter Fixstern in der Jungfrau, bedeutet „Traubensammler“. Der heliakische Aufgang von Vindemiatrix markierte früher den Beginn der Traubenernte.

Im Südosten kann man das Sternbild Rabe (Corvus) erkennen, das zu den 48 antiken Sternbildern gehört, die schon Ptolemäus erwähnte. In Babylon waren die Fixsterne des Raben dem Wettergott Adad zugeordnet. In der griechischen Mythologie wird der Rabe mit dem Sternbild Becher (Crater) und der Wasserschlange (Hydra) in Verbindung gebracht: Apollon schickte für ein Opfer an seinen Vater Zeus einen Raben los, der Wasser aus einer Quelle holen sollte. Der Rabe sah unterwegs einen Feigenbaum mit noch unreifen Feigen und wartete einige Tage, bis diese reif waren. Um eine Entschuldigung für seine Verspätung zu haben, griff er sich eine Wasserschlange und behauptete, sie habe ihm den Weg zur Quelle versperrt. Aber Apollon durchschaute die Lüge und versetzte ihn zur Warnung an den Himmel – zusammen mit dem Becher und der Wasserschlange. Ein anderer Mythos berichtet, dass der Rabe Apollon erzählte, dass dessen schwangere Geliebte Koronis fremdgehe. Rasend vor Wut tötete Apollon Koronis und deren Gespielen. Er bereute seine Tat sofort und konnte noch das Leben seines ungeborenen Sohnes retten. Als Strafe färbte Apollon den weißen Raben schwarz und verbannte ihn an den Himmel.

Dem Krebs folgt im Tierkreis der Löwe. Der Löwe ist das Frühlingssternbild schlechthin. Leicht ist das große Sternentrapez des Löwenkörpers mit dem hellen Stern Regulus an der Spitze zu erkennen. Daran schließt sich in nordwestlicher Richtung ein kleineres Fragezeichen an, das seinen Kopf mit der Mähne zeigt. Dieses Fragezeichen wird bei den Amerikanern auch als „Sichel“ („sickle“) bezeichnet. Der Hauptstern des Löwen ist Regulus und bedeutet „Kleiner König“. Die Lage der Ekliptik (die scheinbare Sonnenbahn) lässt sich beim Löwen gut abschätzen, denn Regulus steht fast genau auf der Ekliptik. Deswegen kann er gelegentlich vom Mond und in seltenen Fällen sogar von Planeten bedeckt werden. Der zweithellste Stern ist Denebola (übersetzt „Schwänzchen“), im Schwanz des Löwen.

In südwestlicher Richtung liegt das Sternbild Kleiner Hund und sein Hauptstern Prokyon fällt hell funkelnd auf. Auch die lichtschwachen Sternbilder Krebs und Einhorn sind hier verortet.

 

Westen

Ziemlich hoch am Himmel sind (noch) die beiden Sternketten der Zwillinge zu sehen. Im Nordwesten funkelt Capella im Fuhrmann. Noch fallen hier die Wintersternbilder Stier und Orion auf, die aber Ende April die Himmelsbühne verlassen werden.

 
 

1. April 2018
23.00 MEZ, 50 Grad Nord
  

erstellt mit „Starlight“ | Zyntara.com

 

15. April 2018
22.00 MEZ, 50 Grad Nord

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