Jupiter verschwindet vom Nachthimmel

Written by on Juni 20th, 2013 // Filed under Jupiter, Sternenhimmel, Visual Astrology

Astronomie

 Foto: Christian König

Gerade eben ist Jupiter am Nachthimmel unsichtbar, weil er sich in Konjunktion mit der Sonne befindet. Wenn Planeten sich in Konjunktion mit der Sonne befinden, nennt das die Klassische Astrologie „verbrannt“ (wenn sie in genauer Konjunktion zur Sonne stehen, also klassisch formuliert „im Herzen der Sonne“, sind sie stark gestellt). In der Visual Astrology sprechen wir nicht von Verbrennung im Sinne von „Schwächung“ . Bernadette Brady sagt oft scherzhaft: „Wir haben es hier nicht mit Supermann und Krypton zu tun!“. Als die Klassische Astrologie entstand, war sie Astrologie aus der Perspektive der herrschenden Klasse und tendierte dazu, Macht als etwas zu definieren, das in die materielle Welt gehört. Wenn ein Planet stark gestellt ist (akzidentielle und essentielle Würden) symbolisiert das Effektivität innerhalb des Mainstreams. Wenn ein Planet „geschwächt“ ist, wird er innerhalb der Klassischen Astrologie als nicht besonders effektiv in Bezug auf Macht und Geld angesehen.

Auch die Mythologie steht im Widerspruch zur klassischen Interpretation der „Verbrennung“. Wenn der Planet in die Phase der Unsichtbarkeit eintrat (Konjunktion mit der Sonne), hieß das eigentlich nichts anderes, als dass der Planet oder die Gottheit in die Unterwelt ging. In der ägyptischen Mythologie z.B. wurde Osiris nicht „geschwächt“, als er die Unterwelt betrat; er wechselte bloß sein Königreich. Osiris trifft dort den kürzlich verstorbenen Pharao als König und nicht als geschwächte Person. In der griechischen Mythologie wurden die Götter und Göttinnen nicht „geschwächt“, wenn sie zwischen dem Diesseits und Jenseits hin und her pendelten. Ihre Macht wurde dadurch nicht geringer, lediglich der Fokus ihrer Tätigkeit verlagerte sich.

Wenn ein Planet in die Unterwelt eintritt, schwächt das den Planeten nicht. Man kann das aber aus dem Blickwinkel des Establishments gut nachvollziehen: Wenn der Planet „verbrannt“ ist, hat er weniger Kraft, machtvoll im Diesseits zu wirken. Man kann ihn vielleicht mit einem Studenten vergleichen, der die Uni abbricht, um ganz seiner künstlerischen Leidenschaft nachzugehen. Das Establishment mag denken, dass er Nachteile hat, wenn er die universitäre Welt verlässt, und sich einer anderen Welt zuwendet. In der Visual Astrology sagen wir, dass der Planet – wenn er unsichtbar wird – sich vom Diesseits (der materiellen Wirklichkeit) in die Unterwelt bewegt – und damit eine andere Welt betritt, eine mehr nach innen gerichtete Wirklichkeit. Damit ist ein Platz gemeint, zu dem wir alle mehrmals am Tag gehen: Ein Ort zum Träumen, ein Platz der Inspiration, ein Platz weg von der materiellen Wirklichkeit hin zu mehr nach innen gerichteten, kreativen Einblicken. Hier gibt es keine Zeit und keine materiellen Bedürfnisse. Es ist der verzauberte Raum der Mythen und Märchen. Im Alltag kann sich das als Potenzial zu bezaubern, zu mystifizieren, als Charme und vielleicht als geheimnisvolles Charisma äußern.

Jupiter scheint besonders sensitive in Bezug auf seine Phasenstellung zur Sonne zu sein. Nach einer aus dem Jahr ca. 660 v. Chr. überlieferten Tontafel des assyrischen Priesters Nabû-mušeși besitzt Jupiter drei verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten (Phasenstellungen), abhängig von seiner Position zur Sonne:

„Der Stern des Marduks [Jupiter] wird bei seiner Erscheinung Sulpa’e [genannt];
Wenn er 1 ‚Doppelstunde‘ vorher aufgeht, wird er Sagmegar [genannt],
Wenn er in der Mitte des Himmels steht, wird er Neheni [genannt] [auch Nibiru].“

Wenn ein Mensch diesen verträumt-verzauberten Jupiter hat, kann er Türen für uns öffnen. Wir werden durch seine Philosophie, seine Vision verzaubert. Wir glauben ihm und bemühen uns, dem Weg zu folgen, den er gewählt hat. Der Ort, wo dieser Mensch den größten Reichtum und die größte Fülle besitzt, ist seine kreative Arbeit, sein Tagtraum-Ort. Vermutlich stellt dieser Mensch fest, dass er seine besten Ideen durch Tagträumen hat – nicht nur durch das Denken. Hier kommen seine Inspirationen her. Der Kronprinz (Jupiter) ist verschwunden, denkt an etwas anderes, geht woanders hin.

Jupiter taucht um die Monatsmitte wieder am Morgenhimmel auf. Am 15. geht er um 2.59 Uhr (= 3.59 Uhr Sommerzeit) auf. Für die Babylonier war Jupiters Rückkehr am Himmel eine Zeit der Freude. Allgemein formuliert wurde so ein zurückgekehrter Jupiter als Segen, als der mächtigste Jupiter betrachtet. Solch ein Jupiter steht symbolisch für das Erscheinen eines mächtigen Kronprinzen, für Frühlingsenergie. Diese Phasenstellung Jupiters begünstigt die Jugend und junge Menschen, sowie neue Projekte.