Der Weg ist das Ziel – Jupiter in der Phase „Nibiru“

Written by on November 1st, 2014 // Filed under Jupiter, Sternenhimmel, Visual Astrology

Jupiter-NibiruFoto: Christian König

Ca. 01.11. bis ca. zum 06.11. steht Jupiter in einer Beziehung zur Sonne, die wir in der „Visual Astrology“ als „Nibiru“ beschreiben (der Zeitraum variiert je nach geographischer Breite und Länge etwas).

Über „Nibiru“ wurde und wird viel geschrieben – aber was es genau bedeutet, weiß man bis heute nicht. Zum Beispiel setzte Zecharia Sitchin die These über die „Rückkehr des Planeten X“ in die Welt. Demnach hätten die Sumerer von einem zusätzlichen Planeten jenseits von Pluto gewusst, der Nibiru genannt worden sei (mit einer rund 3.600-jährigen Umlaufbahn um die Sonne). Für diese These lassen sich aber in den Keilschrifttexten – anders als Sitchin behauptet – überhaupt keine Belege finden.

Nibiru ist einerseits der Name einer sumerisch-babylonischen Gottheit, andererseits die sumerisch-babylonische Bezeichnung eines Himmelsobjekts in Verbindung mit einem Sternbild.

Ca. 700 v. Chr. schrieb ein babylonischer Astrologe/Priester/Astronom folgendes:

„Wenn die Sterne des Enlil abgeschlossen haben,
Der große Stern, schwach scheint,
der den Himmel halbiert und dort bleibt dort, ist Nibiru“

Ich habe einmal die mir vorliegenden Keilschrifttexte (MUL.APIN, Enuma Anu Enlil (v.a. Tafel 5) und Astrolabe B) daraufhin angesehen, was sie uns in Bezug auf „Nibiru“ verraten: „Nibiru“ war jedes Jahr zu sehen und kann sowohl einen Stern, als auch einen Planeten bezeichnen. Wenn es um einen Planeten geht, dann ist fast immer Jupiter gemeint, aber einmal wird auch explizit Merkur erwähnt. „Nibiru“ kann wohl auch ein „Fixstern“ sein, der in irgendeiner Beziehung zu einem Sternbild steht (ob Teil dieses Sternbildes oder einfach nur in dessen Nähe ist unbekannt) und ihn in seiner Bahn „hält“. Unabhängig davon, ob Nibiru einen Stern oder Planeten (oder beides) bezeichnet, wird „Nibiru“ immer mit folgenden Charaktersierungen beschrieben: ein „Positionswechsel“, eine „Kreuzung“ oder ein „Ort des Übergangs“ oder auch „Teilung des Himmels“. Oft liest man auch die Worte „Fähre“, „Furt“, „Schwelle“ oder der Akt der „Überführung“ (einmal auch „Überführungsgebühr“).

In der „Visual Astrology“ sprechen wir von einem „Nibiru“-Jupiter, wenn dieser kurz vor Sonnenaufgang am Ortsmeridian steht. Das ist natürlich nur eine Hypothese, die zwar auch in den Keilschrifttexten zu finden ist, aber eben nur auch. Diese Hypothese hat sich aber in der Deutungspraxis der „Visual Astrology“ als bedeutsam herausgestellt.

Visuell sieht es am Himmel so aus, als ob die aufgehende Sonne mit ihrem Licht verhindert, dass Jupiter kulminiert. Das ist ein Jupiter, der außer Stande ist, seine Versprechungen einzulösen. Mundan kann ein Nibiru-Jupiter ein Ereignis symbolisieren, das scheitert, das unvollendet ist oder zu nichts führt. Oder ein Mensch, der daran scheitert, eine Aufgabe zu vollenden, und/oder gerade im letzten Moment besiegt wird oder unterliegt, wenn der Erfolg quasi schon greifbar ist. Eine Zeit, in der wir kämpfen, um unseren eigenen Erwartungen gerecht zu werden. Der Erfolg wird vermutlich nicht eintreffen. Ein Nibiru-Jupiter scheint darauf hinzudeuten, dass die Reise alles ist und alles bedeutet. Die allgegenwärtigen Wachstums-Ideologien können einen Glauben machen, dass Erfolg und Wachstum stetig ansteigen müssten. Aber ein Nibiru-Jupiter symbolisiert etwas anderes: wichtig ist die Reise und nicht der Erfolg oder die Trophäe am Ende. Der Weg ist das Ziel.