„I think“ – 200 Jahre Charles Darwin

Visual-Astrology

„I think“ – 200 Jahre Charles Darwin.

Ein kurzes Blitzlicht mit „Visual Astrology“

Südafrika im Mai 2007: Die Fixsterne und das Konzept der „Visual Astrology“ waren Thema im südafrikanischen Örtchen Matjiesfontein – 3 Stunden entfernt von Kapstadt. Die Astrologinnen Bernadette Brady und Darrelyn Gunzburg organisierten den „StarLogos“-Kongress, um die Fixsterne des südlichen Sternenhimmels ohne störendes Großstadtlicht beobachten zu können. Was ist „Visual Astrology“? Bernadette Brady aktualisierte 15 Jahre lang antike Erkenntnisse, indem sie v.a. ägyptische und mesopotamische Mythen systematisch auswertete. Ihre Erkenntnisse überprüfte sie an aktuellen Horoskopen. Bradys Ansatz bezieht den zur Geburt tatsächlich sichtbaren Sternenhimmel mit in die Horoskopdeutung ein – v.a. eine alte Methode der Himmelsdeutung (Fixstern- und Sternbilddeutung).

Alter Wein in neuen Schläuchen? Ja und Nein. Sie hat nichts mit dem siderischen Tierkreis zu tun und ist auch kein Neuaufguss herkömmlicher Fixsterndeutung a la Ptolemäus, Robson, Ebertin und Uhle. Die 64 Fixsterne, mit denen Brady arbeitet, werden nicht auf die Ekliptik projiziert, sondern in ihrem tatsächlichen Lauf am Himmel betrachtet und interpretiert, der für jeden Ort auf der Erde anders ist. Es geht um eine Rückbesinnung auf das, was Astrologie eigentlich sein sollte: Die Beobachtung und Deutung des Sternenhimmels. Als die Griechen Ordnung in die babylonische Himmelsbeobachtung brachten, schufen sie mit dem Horoskop die Möglichkeit, den Himmel schematisiert abzubilden. Die Himmelskarte – die Horoskopzeichnung – ersetzte mit der Zeit den tatsächlich zu beobachtenden Himmel. Das Horoskop bildet zwar einen (wichtigen!) Teil des Himmels ab (die Lichter und Planeten), aber ein großer Teil (die Sterne) wird meist stiefmütterlich ignoriert.

Zeitsprung. Der zweite Weihnachtsfeiertag 1859 fiel auf einen Montag. Eben noch hatte man unterm Tannenbaum gefeiert, jetzt lag die profane Welt in Gestalt der „Times“ auf dem Frühstückstisch. Auf Seite 8 las man: „Darwin über die Entstehung der Arten“. So schlich sich eine der folgenreichsten Wissenschaftsrevolutionen – zukünftiger Anfeindungen zum Trotz – unmittelbar in die heimischen Wohnzimmer.

Charles Robert Darwin kam am 12.02.1809 um 6.00 LMT im englischen Shrewsbury zur Welt – am selben Tag wie Abraham Lincoln. Darwins Vater war ein wohlhabender Arzt, sein Großvater väterlicherseits einer der berühmtesten und reichsten Männer seiner Zeit: der Forscher und Dichter Erasmus Darwin; der Name seines anderen Opas (Josiah Wedgwood) steht noch heute für feines Porzellan. Von klein auf streifte Charles durch die Natur, beobachtete Vögel, sammelte Muscheln, Siegel, Münzen, Mineralien und ging später oft auf die Jagd.

Als Charles 8 Jahre alt war, starb seine Mutter. Die drei älteren Schwestern übernahmen die Betreuung. Dem konventionellen Unterricht der örtlichen Unitarier-Schule (alte Sprachen und Literatur) konnte er nicht viel abgewinnen. Naturwissenschaftliche Sachverhalte dagegen fesselten ihn. Angesteckt durch seinen Bruders Erasmus entdeckte er seine Liebe zur Chemie.

Mit 16 Jahren schickte der Vater ihn nach Edinburgh zum Medizinstudium. Charles konnte dem nichts abgewinnen. Er fand die Vorlesungen langweilig und Krankheiten abstoßend, lernte aber wissenschaftliches Arbeiten. Nach 2 Jahren sah Vater Darwin ein, dass sein Sohn wohl nie Arzt werden würde und schickte ihn nach Cambridge, wo er sich auf den Beruf des Geistlichen vorbereiten sollte. Auch die Theologie begeisterte Darwin nicht, war aber beeindruckt von der Logik, Beweisführung und Sprache des Naturtheologen William Paley. Darwin sammelte leidenschaftlich Käfer. Auch sein Interesse für Geologie wurde geweckt. Irgendwie schloss er das Studium ab und sein Weg schien vorgezeichnet: die Theologie als Broterwerb, die Naturwissenschaften als Hobby. Doch es kam anders.

Als 1831 das Angebot kam als wissenschaftlicher Mitarbeiter (durch Professoren vermittelt) an Bord der „Beagle“ zu gehen, sagte er begeistert zu. Das Schiff war auf dem Weg nach Südamerika, wo die Crew Küsten vermessen und Landratte Darwin die Natur beobachten sollte. Die Reise dauerte 5 Jahre und wurde zum Schlüsselerlebnis seines Lebens. Sie führte nach Südamerika, zu den Galapagos-Inseln, Australien, bis hin zum „Kap der Guten Hoffnung“ und wieder zurück nach England. Der detailbesessene Jungforscher sammelte massenhaft Proben, seine Notizen umfassten weit über 1000 Seiten. Mit wissenschaftlicher Akribie analysierte er alles.

1836 wieder zu Hause musste sich Darwin erst einmal um seine eigene Arterhaltung kümmern und stand vor einer ganz praktischen Frage: Heiraten oder nicht? Dieses Problem löste er wissenschaftlich mit einer Pro- und Kontra-Liste: „Keine Heirat, keine Kinder. Niemand, der sich im Alter um einen kümmert. Aber Freiheit zu gehen, wohin man will. Unterhaltung mit klugen Männern. Kein Zwang zu Verwandtenbesuchen. Heirat? Schrecklicher Zeitverlust! Weniger Geld für Bücher. Aber Kinder, ständige Gesellschaft, die Annehmlichkeiten von Musik und weiblichem Geplauder … Ein Objekt, das man lieben und mit dem man spielen kann. Jedenfalls besser als ein Hund. Heirate. Heirate!“ 1839 heiratete er seine tiefreligiöse Cousine Emma aus der Wedgwood-Porzellandynastie. Das gemeinsame Vermögen ermöglichte ein Leben ohne finanzielle Sorgen. Das Paar zog nach Down. Hier erhoffte sich Darwin Ruhe für seine angeschlagene Gesundheit. Bereits seit seiner Rückkehr litt er unter Symptomen, über deren Ursachen bis heute spekuliert wird: Schwächeanfälle, Magenschmerzen, Erbrechen, hoher Pulsschlag und Atemprobleme. Er war oft unpässlich und führte z.T. melodramatisch darüber Tagebuch.

Im Sommer 1837 zeichnete er eine berühmt gewordene Skizze: Unter der Überschrift „I think“ („Ich denke“) ist eine Art Stammbaum zu sehen, der das Entstehen und Aussterben der Arten in ersten Ansätzen zeigt. „Ich war aber so ängstlich darauf bedacht, Voreingenommenheit auszuschließen, dass ich beschloss, noch geraume Zeit nichts aufzuschreiben.“

Darwin wartete und versteckte sein Manuskript – und wartete fast zu lang. 1858 schickte ihm ein Kollege eine Evolutionstheorie. Beide waren unabhängig voneinander auf dieselbe Idee gekommen und veröffentlichten gemeinsam. Darwin erarbeitete eine umfangreichere Version, die 1859 erschien: „Über die Entstehung der Arten im Tier- und Pflanzenreich durch natürliche Züchtung“. Das Buch war sofort ausverkauft und seine Theorie wurde heftig diskutiert und angegriffen: Orthodoxe Gläubige verdammen sie als Atheismus, aber auch weniger Orthodoxe verunglimpften sie als „Affentheorie“. Darwin wurde in zahlreichen Karikaturen lächerlich gemacht und persifliert.

Neben dem frühen Tod seiner Mutter starben auch 3 seiner 10 Kinder. Darunter auch seine 10-jährige Lieblingstochter Annie. In seiner Vorstellung sah er oft, wie sie die Treppe heruntergelaufen kam. Wie konnte Gott so etwas Schreckliches zulassen? Bei seinem Tod am 19.04.1882 war der Wandel vollzogen: Vom Theologen zum Agnostiker.

 

Eine Analyse von Darwins Radix soll hier nicht erfolgen, sondern nur blitzlichtartig gezeigt werden, was Ausschnitte der „Visual Astrology“ über ihn aussagen.

Horoskop_Charles DarwinEs gibt (Fix-) Sterne, die nur manchmal am Nachthimmel zu sehen sind. Sie mischen sich nur kurz unter die „göttlichen Wesen“ (die zirkumpolaren Sterne, die niemals untergehen). Irgendwann beginnt so ein Stern bei Sonnen-aufgang am Horizont (damit berührt er die Erfahrungswelt des Menschen) unterzugehen. Dieser Stern kommt zurück auf die Erde, bringt damit – symbolisch gesehen – eine Botschaft „vom Himmel“. Er befindet sich im heliakischen Untergang.

 Darwins Stern im heliakischen Untergang: Pollux [1]

„Leben ist eine Reise der Selbstfindung, durch die Berge und Täler der eigenen Seele.“

(Anm.: Geborene mit Pollux in dieser Position sind häufig Reisende, die Wissen suchen und bereit sind, Schmerz zu fühlen oder zu leiden, um dieses Wissen zu finden.)

Es gibt auch Sterne, die völlig vom Nachthimmel verschwunden waren. Nun erscheinen sie bei Tagesanbruch wieder, um in den nächsten Tagen erneut zu einem Nachtgestirn zu werden (Sterne im heliakischen Aufgang). Sie sind symbolisch „aus der Tiefe der Unterwelt“ zurückgekehrt.

Darwins Stern im heliakischen Aufgang: Acumen

„Unter den Anderen leiden. Gegenstand von Gerüchten und Gerede sein.“

(Anm.: Geborene mit Acumen in dieser Position haben oft das Gefühl, dass ihr Lebensweg von subtilen Angriffen oder Behinderungen gezeichnet ist. Ganz so subtil waren die Angriffe in Darwins Fall nicht, wenn man an die Anfeindungen und Schmähkarikaturen denkt.)

  1. Innerhalb eines Tages gehen alle Planeten irgendwann auf, berühren das MC, gehen wieder unter und erreichen das IC, um danach wieder aufzugehen. Je nach Standort ist das auch für die meisten Sterne so. Sie berühren, wie die Horoskopachsen, die astronomische und symbolische Schnittstelle zwischen Himmel und Erde. Wenn ein Planet und ein Stern gleichzeitig einen dieser 4 Punkte berührt, entfalten sie dadurch eine besondere Beziehung und sind für das Geburtshoroskop wichtig; sie stehen „in Paran“. Hier die Auflistung von Darwins Parans:

Kindheit

Bellatrix – Merkur: „Ein Mensch mit alternativen Interessen.“

Alphard – Merkur: „Der Enthüller oder Wahrer von Geheimnissen; ein Verstand, der forscht; eine scharfe Zunge.“

Castor – Sonne: „Ein Mensch der Worte; eine Person, die schreibt.“

(Anm.: Darwin schrieb nicht nur nüchtern-wissenschaftlich, sondern hatte auch einen Sinn für Poesie, was sich z.B. bei der Schilderung des Meeresleuchtens zeigt.)

Schon von klein auf war das Potenzial eines Wahrheitssuchenden angelegt, jemand der später im Leben Wissen nutzen und lernen will (Castor). Diese Fähigkeiten entstammen der väterlichen Linie (Paran Sonne), der als gebildeter Mensch ihn von klein auf dazu ermutigt haben dürfte, zu lesen und zu lernen. Diese Prägung kann zu einem sondierenden Verstand führen – mit der Fähigkeit, auf eine Sache fokussiert zu bleiben. Aber dieser Fokus könnte zur Besessenheit werden. Auch das Bestreben, Geheimnisse zu hüten oder zu enthüllen (Alphard) wurde vermutlich in der Kindheit angelegt. Er hat sich schon früh für andere Themen interessiert, als seine Altersgenossen (Bellatrix).

Reife

Aculeus – Merkur: „Geistig fixiert; mit schwierigen Problemen umgehen.“

Ras Alhague – Merkur: „Interessiert sich für die Verbreitung, das Erforschen oder das  Studieren von Heilmethoden.“

Auch hier ist der Radix-Merkur durch die Fixsterne betont („I think“). Darwin besitzt die Fähigkeit, intellektuell schwierige Themen anpacken zu können, er wählt hier eher den schwereren Weg, er macht es sich nicht leicht (Aculeus). Der Forscher, Lehrer oder Kräuterforscher (in dieser Lebensphase beschäftigte er sich v.a. mit Botanik) sind angelegt (Ras Alhague). Das, was er „heilen“ möchte, ist nicht nur auf Lebendiges beschränkt, sondern v.a. auf Geistiges (Ras Alhague).

Alter

Aldebaran – Saturn: „Politisch bewusst sein; einen Kommentar abgeben.“

(Anm.: 1857 wurde Darwin zum Friedensrichter gewählt)

Zuben Eschamali – Saturn: „Wahl eines harten oder selten beschrittenen Karriereweges.“

Auffällig ist hier die starke Saturn-Betonung durch die Fixsterne. Im Alter sind Erfolg und Ruhm angelegt (Aldebaran & Beteigeuze) und dass sein Werk weiterleben wird (Saturn): Ein Werk, das Systeme weiterführt, die sich für die Verbesserung des Lebens anderer einsetzen. Dieses Werk sucht eine feste Basis und ist mit einem beschwerlicheren Weg verbunden, der Anstrengung erfordert, aber auch dauerhaft nachwirken kann (Zuben Eschamali – Saturn). Im Alter könnte die Herausforderung bestehen, seiner eigenen Integrität zuwiderzuhandeln. Aber diesbezügliche Kompromisse würden negative Ergebnisse erzielen.

 Quintessenz des Lebens

Alnilam – Merkur: „Ein geschickter Redner oder ein Journalist mit einem anderen Blickwinkel.“

Die seinem Leben zugrundeliegende intellektuelle Motivation ist die Suche nach einem umfassenderen Weltverständnis, indem er Verbindungen zwischen verschieden Disziplinen herstellt oder Sachverhalte neu ausdrückt. Damit wird durch zuverlässige, dauerhafte Arbeit ein neues Fundament gelegt, das ein großes Werk ergeben kann.

Bis heute haben Kreationisten dieses Werk nicht anerkannt und glauben weiterhin an die Schöpfungsgeschichte. Seit der Veröffentlichung von Darwins Hauptwerk sind ja auch erst 150 Jahre vergangen. Die Evolution braucht halt ihre Zeit. Gott hat die Welt ja auch nicht an einem Tag erschaffen …

Literatur

Brady, Bernadette (2008). Star and Planet Combinations. Bournemouth: Wessex Astrologer Ltd.
Darwin, Charles (2008). Mein Leben. Die vollständige Autobiographie. Frankfurt: Insel.
Ebertin, Reinhold & Hoffmann, Georg (2007). Die Bedeutung der Fixsterne. Tübingen: Astronova.
Ptolemäus, Claudius (2000). Tetra Biblos: Nach der von Philipp Melanchthon besorgten seltenen Ausgabe aus dem Jahre 1553. Tübingen: Chiron.
Robson, Vivian E. (2005). The Fixed Stars and Constellations in Astrology. Abingdon: Astrology Classics.
Uhle, Michael (2007). Fixsterne: Ihre Bedeutung in der Astrologie. Tübingen: Chiron.


[1] Alle Interpretationen wurden aus Bernadette Bradys Fixsternsoftware „Starlight“ entnommen, die Übersetzung stammt von mir.

Die Horoskopgrafik wurde mit der Software Solar Fire Gold V. 7.3.1 erstellt